Sexarbeit ist ab dem 6. Juni wieder legal in der Schweiz!
 
An der Pressekonferenz vom 27. Mai hat der Bundesrat das Sexarbeitsverbot aufgehoben. Genauere Informationen unter welchen Umständen das Arbeiten möglich ist, erhaltet ihr von den Procore-Beratungsstellen.

In enger Zusammenarbeit mit anderen Organisationen entwickelte Prokore ein Schutzkonzept, welches wir mit einem erklärenden Brief dem BAG und dem Bundesrat am 20. Mai 2020 unterbreiteten. Das Schutzkonzept basiert auf der vom BAG zur Verfügung gestellten Vorlage für personenbezogene Dienstleistungen mit Körperkontakt.

Begleitbrief an BAG
Corona-Schutzkonzept Erotikgewerbe

Schon Anfangs Mai hat sich Prokore mit einem Schreiben an die parlamentarische Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit SGK gewandt. Verschiedene parlamentarische Anfragen sind nun beim Bundesrat hängig.

Schreiben an SGK

 

Spendenaufruf!

Obdachlosigkeit, Armut, Hunger: Die Corona-Krise trifft Sexarbeitende hart

Die Krise und das damit verbundene Arbeitsverbot treffen Sexarbeitende hart. Wegen fehlenden Einkünften und dem Verlust des Arbeits- und teils Wohnortes droht vielen Armut, Obdachlosigkeit oder Abhängigkeit. Viele fallen komplett durch das staatliche Unterstützungsnetzwerk und sind auf sich allein gestellt.

Sie befinden sich in einer prekären Lage und brauchen jetzt Hilfe.

Prokore, FIZ und Xenia richten darum einen schweizweiten Notfonds für Obdach, Lebensmittel und medizinische Betreuung ein.
 
Die Beratungstellen des Prokore-Netzwerks werden dann die Nothilfe an Sexarbeiter*innen verteilen.
 
Bitte unterstützen sie uns. Spenden sie jetzt.

Kontoangaben:
Procore, c/o Aspasie,
Rue des Pâquis 11
CH-1201 Genève

CCP: 17-602058-5
IBAN: CH07 0900 0000 1760 2058 5
(Vermerk: Prokore Nothilfe)

PDF Spendenaufruf

 

Medien

Zur Entlastung der Beratungsstellen haben wir häufig gestellte Fragen von Journalist*innen zur Situation von Sexarbeitenden während Corona zusammengestellt und beantwortet.
FAQ für Medienschaffende

Eine Sammlung von Medienbeiträge zur Situation von Sexarbeitenden in der Schweiz in Coronas Zeiten.

Deutsch:

Französisch:

Italiano:

 

Erwerbsersatz

Corona-Erwerbsersatzentschädigung für Selbstständigerwerbende im Erotikbereich

Seit dem 24. März können alle Selbstständigerwerbenden, die aufgrund einer bundesrechtlich angeordneten Betriebsschliessung einen Erwerbsausfall erleiden, Antrag auf Erwerbsentschädigung stellen. Dies betrifft auch Sexarbeiter*innen. Auch Sexarbeiter*innen, die aufgrund der Anordnung nach Hause gereist sind, können diesen Antrag stellen mit der Voraussetzung, dass sie bei der AHV versichert sind.

Die kantonalen SVA haben jeweils ihrer Webseite eigene Formulare, die gleich online ausgefüllt und abgeschickt werden können. Alle Informationen sowie das Anmeldeformular finden sich hier:

Link: Anmeldeformular (Deutsch)
Link: Anleitung (Deutsch)

Wir haben das Formular und ein Infoblatt in verschiedene Sprachen übersetzt.
WICHTIG: Diese übersetzten Formulare dürfen nicht direkt ausgefüllt werden. Sie helfen nur die offiziellen Formular zu verstehen.

Bulgarisch: Antragsformular / Info
Portugisiesch / Portugues: Inscricao para compensacao Antragsformular / Info
Rumänisch / Româna: Inregistrare pentru compensarea Antragsformular / Information
Thai: Antragsformular / Infos
Ungarisch / Magyar: Korona_Kerdoiv Antragsformular / Informacios

Kurzarbeit

Arbeitgeber können für ihre Angestellten bei der Arbeitslosenversicherung Kurzarbeitsentschädigung beantragen. Dafür müssen sie das Formular Voranmeldung von Kurzarbeit (Covid-19) ausfüllen und an die zuständige Arbeitslosenkassen schicken. Sie brauchen das Einverständnis aller von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeitenden. Die Formulare finden sie hier.

Wird der Antrag gutgeheissen, zahlt der Arbeitgeber den Arbeitnehmenden weiterhin 80% ihres regulären Monatslohns. Unternehmen, die von der Arbeitslosenversicherung Entschädigungsleistungen für Kurzarbeit erhalten, müssen die gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge wie bisher in vollem Umfang leisten.

Link: Formulare für Anmeldung Kurzarbeit

 

Sozialhilfe

Empfehlungen SKOS Sozialhilfebezug Corona

Wer keine Erwerbsersatzentschädigung beantragen kann oder es zu lange dauert, bis diese ausbezahlt wird, kann Sozialhilfe beantragen. Sozialhilfeberechtigt sind Schweizer Staatsbürger*innen sowie Ausländer*innen mit einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz.

Die SKOS hat dazu spezielle Richtlinien für die Sozialhilfe angesichts dieser Epidemie erlassen. Darin schreiben sie "Sozialhilfe muss rechtzeitig erbracht werden. Unaufschiebbare wirtschaftliche Hilfe muss in dringenden Fällen sofort geleistet werden. Unter Umständen besteht bereits ein Unterstützungsanspruch, wenn die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse noch nicht vollständig abgeklärt sind, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Sozialhilfeanspruch besteht." Auch wenn die Anträge nicht vollständig sind, müssen die Sozialämter Unterstützung leisten.

Link: SKOS-Empfehlungen zur Sozialhilfe während der Epidemie-Massnahmen

Personen mit Schulden bei der SVA

Die Grundlage für Auszahlungen der Ausgleichskasse ist die provisorische Verfügung 2019. Personen, welche keine oder lückenhafte Einzahlungen leisteten, haben keinen oder einen reduzierten Anspruch auf Erwerbsersatzleistungen. Gemäss SVA Zürich werden die ersten Auszahlungen ab dem 20. April stattfinden, und zwar für die Periode vom 17. – 31. März. Die Corona-Entschädigung wird immer erst nachschüssig – also im Folgemonat – ausbezahlt.
Wenn sich bei Selbstständigerwerbenden wegen der behördlichen Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus das Jahreseinkommen stark reduziert, können sie das neue voraussichtliche Jahreseinkommen der SVA Zürich online mitteilen, damit ihre Akontorechnungen angepasst werden.
Bitte lasst uns wissen, ob ihr Hilfe für ähnliche Abklärungen in eurem Kanton benötigt.

Ausländerrechtliche Konsequenzen des Sozialhilfebezugs?

Der Kanton Zürich, der Kanton Solothurn und der Kanton Bern bestätigen, dass der Bezug von Sozialhilfe keine aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen haben wird. Laut diesen Kantonen wird Sozialhilfebezug aufgrund der Corona-Massnahmen wird nicht zur Aberkennung der Aufenthaltsbewilligung führen.

 

Nothilfe

staatlich

Personen mit bewilligungsfreiem Aufenthalt und damit ohne festen Wohnsitz in der Schweiz (zum Beispiel Personen im Meldeverfahren) haben gemäss Artikel 12 der Bundesverfassung Anspruch auf Nothilfe. Diese kann bei den sozialen Diensten der Gemeinde oder des Kantons beantragt werden. Für Personen im Meldeverfahren, welche in verschiedenen Gemeinden und Kantonen gearbeitet haben, ist die letzte Gemeinde zuständig für die Abklärung über die Nothilfe.

In der Stadt Zürich läuft das über das ZAV (Zentrale Abklärungs- und Vermittlungsstelle). Viele Gemeinde und Kantone weigern sich aber und fühlen sich nicht zuständig.

Viele Gemeinden zahlen nur Nothilfe aus bis zur Rückkehr in die Heimatländer.

privat

Viele Sexarbeitende fallen darum trotzdem durch alle Maschen der staatlichen Unterstützung, darum haben viele Beratungstellen Spendenaufrufe für Nothilfe lanciert. Spenden sind herzlich willkommen und dringend nötig:

Collectif de femmes & Belladonna du Valais / Fleur de pavé Lausanne / FIZ Zürich / Lysistrada Solothurn / Isla Viktoria Zürich

 

Aufenthalt

Meldeverfahren

Personen im Meldeverfahren, welche ihren Einsatz auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, ihre Einsatzdauer ändern oder einen Arbeitsunterbruch melden wollen, müssen der zuständigen kantonalen Behörde unverzüglich eine E-Mail schreiben (wenn die Meldung auf elektronischem Weg (online) erfolgte).
Gemäss dem Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) in Zürich können Personen im Meldeverfahren, welche wegen der Corona-Epidemie nicht mehr arbeiten können, ihre bezogenen Tage annullieren um sie später, nach der Corona-Krise, zu beziehen. Sexarbeitende können Tage rückwirkend auf den 17. März 2020 (Schliessung Erotikbetriebe und Nachtclubs) annullieren. Dafür müssen sie dem zuständigen AWA eine E-Mail mit Begründung zustellen. Die relevante Emailadresse finden sie auf ihrer Meldebestätigung.

Mehr Informationen zur Änderung von bereits vorgenommen Meldungen findet ihr unter diesem Link vom SEM

Vorlage: E-Mail Annullierung der Tage im Meldeverfahren

Verlängerung Aufenthaltsbewilligung

Gemäss SEM sind für alle Fragen in Bezug auf die Verlängerung von Aufenthaltsbewilligungen die kantonalen Migrationsbehörden zuständig. Solche Bestimmungen müssen deswegen individuell beim kantonalen Migrationsamt abgeklärt werden.

Das Migrationsamt des Kantons Zürich hat folgende Bestimmungen erlassen:
Personen mit Touristenvisa, im Meldeverfahren oder solche, die ohne Visa für drei Monate in die Schweiz einreisen durften, stellt das Migrationsamt Zürich eine Duldung bis zum 30. Juni 2020 aus. EU/Efta-Staatsanghörige sollen auf dem Landweg nach Hause fahren. Die, die nicht nach Hause gehen können, sollen frühestens 10 Tage vor Ablauf des Visums auf das Migrationsamt gehen und sich am Schalter melden. Sie benötigen einen Reisepass, eine Reiseversicherung sowie einen Bürgen (welcher auch noch per Formular nachgereicht werden kann). Die Verlängerung des Visums kostet zwischen 45 Franken.

Link: Migrationsamt Zürich Corona Praxisanpassung

Mietkosten

Der Schweizer Mieterinnen- und Mieterverband hat ein Rechtsgutachten zur Bezahlung des Mietzinses für Geschäftsräume während der Covid-19-Epidemie publiziert. Das Gutachten sagt, dass Mieter und Mieterinnen von Geschäftsräumlichkeiten nicht verpflichtet sind, den Mietzins weiter zu entrichten, solange sie ihre Geschäftstätigkeit wegen der gegen die Covid-19-Epidemie ergriffenen Massnahmen nicht ausüben können. In Zürich ruft der Gastroverband die Gastgewerbsbetriebe die Mieten nicht mehr zu bezahlen.
Die Rechtslage ist aber natürlich ungelöst, am Schluss wird früher oder später ein Gericht darüber entscheiden.

Link: Artikel vom Mieterverband: Mietszinsreduktion bei Geschäftsräumlichkeiten
Link: Standardbrief vom Mieterverband zur Reduktion der Miete von Geschäftsräumen

 

Rückkehr (diese Infos sind vielleicht veraltet, Stand 5. Mai)

Italien: Eine Rückkehr nach Italien ist für italienische StaatsbürgerInnen sowie Personen mit einer langfristigen Aufenthaltsbewilligung möglich. Solche Personen müssen das Formular AUTODICHIARAZIONE ausfüllen und auf Anfrage an der Grenze vorweisen. Das Dokument soll erst an der Grenze vor den Augen der zuständigen Beamten unterschrieben werden.

Rumänien: Seit dem 5. April sind alle Flüge aus der Schweiz nach Rumänien für 14 Tage ausgesetzt. Eine Rückkehr auf dem Landweg ist nicht möglich. Personen,  welche nach Rumänien zurückkehren wollen, müssen sich an die rumänische Botschaft wenden, welche Flüge organisiert. Betroffene Personen müssen aber eine Notwendigkeit nachweisen. Bei einer Rückkehr müssen Personen, welche aus der Schweiz in Rumänien einreisen in eine zweiwöchige Quarantäne (nicht Zuhause, Quarantäneort wird vom Staat bestimmt).

Informationen auf Rumänisch

 

Aktuelle Informationen zum Coronavirus und zur aktuellen Lage in der Schweiz:

Link: Website des Bundesamts für Gesundheit

 

ICRSE: Call to action

Prokore unterstützt den Call to action von ICRSE International Committee on the Rights of Sex Workers in Europe. Sexarbeiter*innen leiden überall besonders stark unter den Massnahmen gegen die Eindämmung des Coronavirus. ICRSE hat darum in diesem Bericht ausführlich zusammengestellt, was für politische Massnahmen jetzt dringend aufgegleist werden müssen, um Sexarbeitende vor Armut, Gewalt und Corona zu schützen.

Link: Call to action
Link: Policy Brief

 

Corona-Projekt

ProCoRe lancierte zusammen mit der Fachstelle Sexarbeit Xenia von Bern und der FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration ProCoRe Ende März ein Projekt, um die negativen Auswirkungen der Corona-Massnahmen auf Sexarbeitende zu bekämpfen. Die Projektleitung versucht auf nationaler Ebene Unterstützungsmassnahmen aufzugleisen und die lokalen Beratungsstellen zu unterstützen.
 
Zurzeit herrscht eine grosse Unsicherheit bei den Beratungsstellen. Die Corona-Massnahmen und die damit verbundene Prekarisierung, werfen viele neue Fragen auf: Können Sexarbeitende Unterstützungsleistungen beantragen? Wenn ja, welche? Hat Sozialhilfebezug aufgrund des ausbleibenden Einkommens negative Konsequenzen auf die Aufenthaltserlaubnis? Gibt es Möglichkeit die Mieten in Raten zu zahlen oder ganz auszusetzen? Oder ganz grundlegend: wie kann Nothilfe für Essen und Unterkunft organisiert werden? Vieles ist zurzeit noch unklar. Die Projektleitung sammelt darum auf dieser Seite Informationen und Best Practices aus den verschiedenen Kantonen.
 

Diese News werden laufend akutalisiert. Stand 25. Mai 2020.


LEXI-APP

 

LEXI App, eine Mobile App für Sexarbeitende mit wichtigen Infos zur Arbeit, Sicherheit und Gesundheit, ist da! Gratis und ohne Registrierung.

Arbeiten Sie als Sexarbeitende in der Schweiz? In der App finden Sie alle wichtigen Informationen dazu.  

Die Lexi App gibt Aufschluss über  Fragen zu Sicherheit, Gesundheit, Arbeiten, Steuern und Sozialversicherungen. Sie ist in den folgenden Sprachen verfügbar: Deutsch, English, Français, Italiano, Español, Português, Română, Magyar, български, Polski, ไทย, slovenský. 

iOS:  https://itunes.apple.com/ch/app/lexi-app/id1347841110?mt=8  

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